Liebe Depression,

 

Liebe Depression, mein kalter und einsamer Freund, unsere Freundschaft muss enden. Ich dachte, es wäre besser dir zu schreiben, da du mir ja nie zuhörst. Ich habe an vielen Gelegenheiten versucht, mit dir zu sprechen, vergeblich. Ich habe sogar versucht, dir aus dem Weg zu gehen, dich zu meiden. Aber leider scheinst du meine Mitteilung nicht zu erhalten.


Du bist der streitlustige Freund, der Spielverderber, die eifersüchtige Freundin und das "unschuldige" kleine Mädchen, das sich selbst bemitleidet. Du bist die Stimme in der Nacht, die mich daran erinnert, dass ich allein bin. Und obwohl ich meine Familie liebe, können sie unsere Beziehung nicht verstehen. Du bist die Tränen hinter meinem Lächeln und die Enttäuschung in meinem Herzen. Du bist die Wolken in meinem Kopf und der schwarze Teer der an meiner einst bunten Seele klebt. Ich möchte dich nicht verletzen, mein naiver Freund.

 

Ich habe mich einmal auf dich eingelassen, um mich vor der Wirklich-keit zu schützen – du hast meine Hand gehalten während ich mich auf deinen Schultern ausweinte. Du hast mich in deine Dunkelheit geführt. Du hast mir geholfen, mich mit meiner Kreativität zu verbinden und zeigtest mir, wie sich die Welt in tiefen, nackten Emotionen anfühlt.


Aber Du, mein Liebster, bitte lasse meine zitternde Seele jetzt los. Deine Dunkelheit hat mich besessen. Deine düstere, schwarze Seele hat sich meiner angefügt. Meine Farben spritzen über deine dunkle Seele wie eine Super-nova im Weltraum. Meine glücklichen Gedanken sind aufgebraucht und umhüllt von deiner Dunkelheit, wie Sterne in einem Nachthimmel. Trotz der Schönheit, die wir geschaffen haben, können wir diese dumme Affäre nicht länger fortsetzen. Mit der Zeit wird meine Seele ganz schwarz sein wie deine, mein Liebling. Lass mich wieder frei sein.


Das letzte Mal als du mich besucht hast, hoffte ich, dass ich die Kraft haben würde, dir zu sagen, dass du gehen sollst - aber du hast mich angelächelt und meinen Schmerz verstanden. Du hieltest meine Hand noch ein-mal und hast dich mit mir auf den Boden gelegt, und deinen kalten Körper um meinem geschlungen. Mein düsterer Freund, erlaube meinem Licht, durch deine Wolken der Finsternis zu brechen.


Lass meine Seele leuchten und sich im Regenbogen des Lichts sonnen. Hab keine Angst mein kleiner Dämon, was hast du nur getan? Du hast andere dich sehen lassen. Du bist nicht länger mein Geheimnis. Unsere Freundschaft ist aufgeflogen. Und jetzt bemitleidest du meinen Ausbruch an Emotionen. Du bist jetzt meine Diagnose, die Konsequenzen nach sich zieht. Ich bin dem Rat der Ärzte zum Opfer gefallen. Mein dunkler Freund, sie haben versucht, dich mit Medikamenten zu entfernen, aber ich wurde krank. Bitte lass sie mir nicht noch mehr Pillen und Medikamente verschreiben. Lass mich gehen.


Mein elender Freund, es wird Zeiten geben, wo wir uns wiedersehen werden, wo wir eine Geschichte oder zwei über einen Becher Kummer oder einen Spaziergang durch eine düstere Straße teilen werden. Wir könnten uns früher wiedersehen, als du denkst. Aber heute Abend - wenn du unter deinen anderen kalten, einsamen Freunden sitzt - bitte kehr nicht zu mir zurück. Lass meine Seele ruhen. Obwohl ich weiß, dass du gerade nicht bei mir bist, während ich diesen Brief schreibe, schwebt dein dunkler Schleier über mir.


Mein verzweifelter Freund, meine Depression, du hast einen Bluterguss auf meiner Seele hinterlassen - purpurrot und schwarz, wie Tinte die auf Pergament zerrinnt. Mit der Zeit wird der Bluterguss heilen, die Erinnerungen verblassen, und die Gefühle und Schmerzen vergehen. Aber ich weiß auch, dass du immer im Schatten meiner dunkelsten Momenten lauern wirst, und gelegentlich meine Hand suchen wirst, um meine Seele zu trösten. Manchmal werde ich dich ignorieren, und andere Male werde ich dich umarmen. Aber fürs Erste, meine kleine Regenwolke, freue dich, denn ich habe dich freigegeben. Lebe wohl meine Depression.


Erschreckend ist die Erkenntnis, dass wir die Depression sind; dass wir sie anziehen, weil wir sie für den Moment brauchen. Erschreckender ist dass man sie nur schlecht los wird. Wir fühlen uns wie eine einsame Feder im Auge des Tornados. Völlig überwältigt, und doch innerlich tot. Zu Depressionen neigen die Sucher, die Heimatlosen Seelen, die Egogetriebenen. Eines Tages wird man von hin-ten überfallen und in ein tiefes, dunkles Loch gezogen. Dabei erkennt nicht jeder auf Anhieb, dass dieses Loch ein Tunnel ist und Erkenntnis bringt.


„Die Erkenntnis kam in der Dunkelheit, doch die Dunkelheit erkannte sie nicht.“

 

 

 

 

Art. Design. Tao.

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