die dunkle nacht der seele

Ich habe gesehen, dass jede Depression und jeder negative Gedanke von mir selbst geschaffen wurde. Ich habe erkannt, dass alles was mich ausmachte, eine große Lüge war. Eine Fiktion vom Geiste erschaffen. Diese Erkenntnis ließ mich gelähmt zurück, während meine Seele frei fallend, durch eine schwarze Leere des Nichts, in eine düstere, schreckliche Nacht, in eine dunkle Nacht der Seele gefallen ist.

 

In dieser dunklen Nacht habe ich begriffen dass ich nie blind war, und doch konnte ich nicht sehen. Ich dachte ich hatte alles verstanden, und doch wusste ich nichts. Ich dachte ich hatte alles im Griff, und doch hatte ich niemals die Kontrolle. In dieser dunklen Nacht, die über Wochen, Monate oder Jahre gehen kann, wurden alle Stücke meines "Ichs" ruüksichtslos und brutal ins Nichts gerissen, so dass ich nackt in der Leere schwebend, die Wirklichkeit ansehen musste die wirklich weh tut. Und je mehr ich mich dagegen wehrte, mich zusammenriss und ein Lächeln aufsetze, umso mehr schmerzte es.

 

Sehr lange kämpfte ich dagegen an, weil ich noch nicht bereit war. Weil ich nicht wusste was mich in meiner eigenen Dunkelheit erwartete. Ich hatte Angst nicht mehr raus zu kommen. Ich war noch nicht bereit loszulassen, von mir selbst. Also blieb ich in dieser dunklen Nacht gefangen und kroch durch meine Tage während ich meine Füße durch den giftigen schwarzen Teer der schlechten Gedanken zog und mein aufgezwungenes Lächeln das einzige Lebendige an mir war. Ich schrie mich innerlich durch die Nächte, die von Alpträumen des Todes und Sterbens geprägt waren. Ich träumte wie ich von Klippen falle, von Bergen zermalmt und lebendig begraben wurde. Ich wurde in Stücke gerissen, jede Nacht. Mein "Ich" starb eintausendmal, doch am nächsten Morgen wachte ich wieder auf.


Und irgendwann schwinden die Kräfte. Du kannst nicht mehr dagegen ankämpfen. Du willst nicht mehr. Also blieb mir nichts anderes übrig als mich ein Stück weit der Dunkelheit hinzugeben. Und es war wie vermutet. Ich empfand kein Glück, hatte keine Überzeugungen, Ideen und Träume mehr. Ich verlor alles. Liebe, Freude und Lachen wurden zu unerreichbaren Phantasien, während ich in meiner dunklen Nacht des Schmerzes, der Verzweiflung, der Traurigkeit, des Zorns und der Angst machtlos in der Leere des Nichts schwebte. Ich wollte zurück. Ich war nichts. Ich wollte mein altes Ich zurück. Und so windete ich mich schluchzend auf meinem verschwitzten Bett, ein Sklave der nicht endenden Gedanken in meinem Kopf, ein Sklave der zügellosen Gefühle in meinem Herzen.

 

Ich sah den Wahnsinn, aber konnte ihn nicht aufhalten. Ich sah meiner Freude zu wie sie in das dunkle Nichts ausbrach. Und mein „Ich“ wehrte sich. Es redete mir ein, dass es zu mir gehört. Es sagte mir dass ich aus der Dunkelheit rauskommen soll. Dass ich kämpfen und nicht so rumheulen soll. Es sagte mir dass ich ein Schwächling bin weil diese Non-Stop-Ängste und Unsicherheiten zu mir gehören und ich untergehen werde wenn ich nicht länger dagegen ankämpfe. Es sagte mir ich sei unwürdig, ungeliebt, ein Misserfolg... es erzählte mir dass mein Leben und meine Zukunft hoffnungslos seien. Es sagte mir dass ich Nichts bin ohne Ego.

 

Ich wollte diese Hoffnungslosigkeit nicht und klammerte mich an die letzten Bruchstücke meines Ichs, ängstlich aufzugeben, und zu werden wer ich wirklich bin. Ich wollte zurück zu diesem "Ich", das ich erschaffen habe. Das Ich das mir sagte Geld macht glücklich, Beziehungen erfüllen dich, Macht bringt Ansehen, Erfolg ist überlebensnotwendig. Doch ich war verloren. Ich hatte keine Kraft mehr, ich war wie gelähmt. Ich konnte aber auch nicht mehr in dieser Dunkelheit leben und wollte nur noch sterben. Aber auch das fühlte sich nicht richtig an.

 

Ich war erschöpft von meinem Ich, erschöpft von seinem Wahnsinn. Ich gab auf. Und als ich los ließ, erkannte ich es. Ich erkannte die Stille in der Dunkelheit. Ich erkannte die Objektlosigkeit meiner Gefühle. Ich erkannte den Frieden im Kampf. Und dann war mir klar: Nicht ich soll sterben, sondern mein Ich. Ich begriff. Alles was mir mein "Ich" sagte, war eine Lüge. Es fütterte mich mit Illusion für Illusion und spinnte ein klebriges schwarzes Netz um mich zu fesseln. Es fütterte mich mit falschem Stolz und Ängste die nicht meine waren. Ich wusste es. Das Ich war nicht real.

 

Es kämpfte gegen mich an und schrie in meinem Kopf wie Donner, während es versuchte existent zu bleiben, und mich zurück in den Wahnsinn des Selbsthasses und der Illusion des Lichts zu ziehen versuchte. Es wusste dass ich es sterben lasse werde und klammerte sich noch fester an mich und weigerte sich, sich aufzulösen. Erfüllt von Resignation und Schmerz - in der Dunkelheit schwebend - ließ ich los. Von allen Kräften verlassen, ließ ich es einfach zu.


Und dann, tief aus meinem Inneren, flüsterte ein Funke göttlicher Weisheit leise in mein Ohr: „Indem du dein "Ich" bekämpfst, erhältst du es am Leben. Lass es zu, um es loszulassen.“

 

Und so schwebe ich. Zurück kann ich nicht mehr. Dagegen ankämpfen kann ich nicht mehr. Ich kann nur akzeptieren was ist. Der einzige Weg raus, ist rein. Also falle ich auf die Knie und öffne meine Arme weit, und lade die Dunkelheit ein in mein Herz, während ich mich willig in die schwarze Leere der Verzweiflung sinken lasse. Ich erlaube der dunklen Nacht mich lebendig zu verschlingen und durch jeden Zentimeter meiner müden Seele zu dringen. Ich erlaube jedem Gedanken, jeder Illusion, jedem Schmerz, Angst und Selbsthass alles in mir aufzuweichen. Ich öffne mich noch weiter sodass jeder verbliebene Funken meines "Ich" in der Dunkelheit ausgelöscht wird.

 

Ich sehe mitfühlend zu wie es mich wäscht, mich reinigt, und ich Stück für Stück mit der Dunkelheit Eins werde. Und dann, wenn du die dunkle Nacht geworden bist, die du bist, und die dunkle Nacht alles ist, was ist, öffnest du deine Augen in der Dunkelheit - und kannst sehen.

 

Du erkennst dass du immer schon hier warst unter deinem "Ich" versteckt. Du warst immer schon zu Hause und bist richtig wie du bist. Du erkennst dass du selbst die Liebe und Ganzheit warst die du immer schon gesucht hast. Du warst immer schon die Freiheit und Akzeptanz die du dir gewünscht hast. Du warst immer schon das ganze Universum das sich von Moment für Moment neu erschafft, und bedingungslos akzeptiert wird. Du bist ein Teil des Ganzen und das Ganze ist ein Teil von dir. Du erkennst dass die dunkle Nacht der Seele, die Liebe ist. Sogar dein totes "Ich" war Teil dieser Liebe. Du hast alles akzeptiert.

 

Alles ist Teil des gleichen liebevollen Bewusstseins. Deine Seele schwingt und summt als du begreifst, dass du immer zu Hause bist, wo auch immer du warst, und wo auch immer du sein wirst. Es ist alles hier, in dir, ganz und vollständig. Alles, was dir dein falsches Ego jemals brachte, war eine Illusion der Sicherheit, eine Illusion des Wissens, der Kontrolle, der Ganzheit, der Liebe. Und dein Glaube an diese Illusion brachte dir nur Leid. Und nun, jenseits dieser Illusion, entfaltet sich in jedem Augenblick des Lebens,
bedingungslose Akzeptanz. Und wenn du die Ganzheit eines jeden Augenblicks umarmst, blinzeln deine Augen vor Staunen, als eine neue Morgendämmerung dich mit ihrer glänzenden Vollkommenheit blendet.