es war einmal

 

Es war einmal ein liebes Mädchen. Sie gab nach. Dann, gab sie nochmal nach. Sie schloss Kompromisse. Sie verneigte sich vor der ganzen Welt.

Es war einmal ein liebes Mädchen. Sie ließ die anderen gewinnen. Sie zog ihren Kopf ein und versteckte ihr Gesicht. Sie überließ ihnen die Show während sie in der Dunkelheit saß und sie anfeuerte.

Es war einmal ein liebes Mädchen. Sie hatte es hingenommen, sie hatte es akzeptiert. Sie absorbierte die giftigen Worte und die größten Enttäuschungen. Sie schluckte sie runter wie nichts. Sie sagte: "Es ist okay. Ich kann sie verstehen."


Es war einmal ein liebes Mädchen. Sie glaubte "denen". Die Kritik die von denen kam die sie so liebte und respektierte. Sie fühlte sich fett, und müde, und dumm, und gemein. Sie fühlte sich respektlos, undankbar und im Grunde genommen: wertlos.

Es war einmal ein liebes Mädchen. Ihre Gedanken waren nun die Echos der anderen. Sie schlief mit ihnen ein. Mit einer Randale im Kopf. Wieso - dachte sie - wieso sonst sollten die anderen sie so behandeln wie sie es tun, wenn sie doch alles gibt was sie nur kann? Sie musste mehr geben. Also gab sie noch mehr.

Es war einmal ein liebes Mädchen. Sie war naiv. Sie dachte ihr Glück hinge davon ab wie sehr sie andere glücklich macht. Mit Geschenken und Gesten und freundlichen Worten. Sie machte die Probleme der Menschheit zu ihrer persönliche Aufgabe. Obgleich  sie sich als Versagerin betrachtete.

Es war einmal ein liebes Mädchen. Es kam ihr nicht in den Sinn dass sie falsch liegen könnte. Dass sie alles auf den Kopf gestellt hatte. Dass die Schatten die durch sie hindurch wanderten, nicht ihre Eigenen waren.

Es war einmal ein liebes Mädchen. Sie hatte noch nicht gewagt sich vorzustellen, dass es besser für die Welt wäre, wenn sie aufstehen und so hell wie nur möglich zu leuchten. Sie konnte es noch nicht erkennen. Dass es keineswegs egoistisch ist, sondern notwendig.

Wie viele Menschen könnte sie anfeuern wenn sie anderen die Show stiehlt? Wem würde sie Gutes tun wenn sie sich den Staub aus den Haaren schütteln und selbst auf die große Bühne treten würde als wäre es ihre eigene? Wieviele Leben könnte sie verändern wenn sie sich ihrer eigenen Wahrheit anerkennt und sie befolgen würde?

Die Antwort ist: Nur Eins. Ein Leben. Nämlich ihr Eigenes.

Es war einmal ein liebes Mädchen. Sie war nur einen Schritt davon entfernt zu realisieren.

Es war einmal ein liebes Mädchen. Sie stand selbstsicher an der Schwelle.

Es war einmal ein liebes Mädchen. Sie entschied sich dass das "Es war einmal" nun vorbei war.

Und während es in ihren Venen pochte und jede Zelle in ihrem Körper bebte und ein Leuchten hinter ihren Augen zum Vorschein kam, kam die Erkenntnis:

 

Es war einmal ein liebes Mädchen. Und sie lebte glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.