wenn wir krank werden

 

Ob mehrere Tage im Bett mit Grippe oder der jahrelange Kampf mit einer schwächenden Krankheit, krank zu werden, hat eine wunderbare Weise, uns auf unserem Weg zu stoppen, um uns neue Prioritäten auf zu zwingen und unser Leben umzuleiten. Vom geistigen Punkt aus betrachtet, hilft Krankheit, unerfüllte Bedürfnisse zu befriedigen und bringt uns wieder auf den richtigen Weg. Vorallem wenn es unsere bewussten Entscheidungen nicht tun. Manchmal ist es so simpel wie ein paar Tage Ruhe, wenn wir uns überwältigt fühlen und ein wenig Zeit der Assimilation brauchen. Eine ernstere Krankheit hingegen, kann uns dazu zwingen, unsere gesamten Lebensgewohnheiten zu überdenken.

Auch wenn wir unsere Symptome direkt behandeln, wird die Wurzel einer Krankheit solange nicht heilen, bis wir uns freiwillig den neuen Prioritäten der Krankheit stellen. Wenn wir unsere kleinen Symptome ignorieren, wird unser Körper "lautere" Symptome einladen. Wahre Heilung erfordert eine Annäherung an unser höchstes Gut, und wenn wir Symptome behandeln, ohne diese Ursache zu kennen, werden wir wahrscheinlich kurzfristig gesund/schmerzfrei, aber keinen Zustand der Gesundheit und des Wohlbefindens für längere Zeit aufrechterhalten. Wir müssen mit uns selbst arbeiten, um den tieferen Prozess der Heilung anzukurberln (für den unsere Seele immerzu bereit ist).

Es gibt viele Befürworter des Geist-Körper-Heilens, die behaupten, dass wir für die Gesundheit oder Krankheit unseres Körpers nur bis zu einem Punkt verantwortlich sind. Und dann erst folgen Umstände wie Vererbung und Umweltfaktoren. Wenn wir jedoch eine weiterreichende, tiefgründigere Sicht der Dinge einnehmen und von der Vorstellung loslassen, dass Krankheit schlecht ist oder dass wir etwas Falsches getan haben müssen, kann jede Krankheit als Weg zum Ziel betrachtet werden, sowohl für den Körper, als auch für den Geist.

Das Ego, das heißt, der Teil von uns, der glaubt, dass wir nur durch die Grenzen unseres äußerlichen Körpers definiert sind, kann nicht anders, als eine Krankheit als bedrohend anzusehen und ihn als Feind zu betrachten. Das Ego, das versucht, sich durch Kontrolle in Sicherheit zu bringen, verwandelt die Idee von Selbstverantwortung in einen Machtkampf von Kontrolle, in der Krankheit ein Zeichen des Versagens ist. Wenn wir jedoch tiefer gehen, ist "Selbsverantwortung" nicht dasselbe wie "Kontrolle". Wir können nur kontrollieren was im Bereich unseres Bewusstseins liegt. Krankheit jedoch, ist ein Zustand indem wir verborgene, nicht integrierte Aspekte des Selbst an die Oberfläche bringen und endlich offen für neue Möglichkeiten werden. Dies ist eine der wichtigsten Funktionen des Krankwerdens.

Also, anstatt unsere Krankheit als ein Scheitern zu sehen, ist es sinnvoller, sie als ein Zeichen wahrzunehmen, dass wir bereit sind zu wachsen. Aus der Perspektive der spirituellen Realität ist Krankheit ein Schritt zur Ganzheit. Niemand wählt bewusst Schmerzen oder Krankheiten, doch die Erfahrung, mit diesen Herausforderungen umzugehen, kann uns auf eine Reise führen, die letztendlich große Belohnungen liefert. Ich habe gelesen, dass viele Menschen mit Krebs und anderen lebensbedrohlichen Krankheiten ihre Krankheit als einen der größten Segnungen ihres Lebens beschreiben, weil sie sie zwang, ihre Prioritäten neu zu mischen und neue Wege zu verfolgen, die ihnen tiefe Erfüllung brachten. Die Krankheit gab ihnen die Erlaubnis, Entscheidungen zu treffen, die sie sonst nie gewagt hätten.

 


Krankheit und Veränderung
Während Krankheit unsere Bereitschaft zur Veränderung signalisieren kann, kann es sein dass unsere Persönlichkeit nicht das geringste Bedürfnis danach verspürt. Je mehr wir uns gegen die Erforschung neuer Prioritäten und Lebensstile wehren, desto mehr zwingt uns die Krankheit - gegen unseren persönlichen Willen - ein Leben zu führen das von schmerzhaften Symptomen begleitet wird. Vielleicht fühlen wir uns von diesen Veränderungen bestraft, je nachdem ob wir uns von dieser Krankheit Neue Wege eröffnen lassen oder ihr nichts anderes über zu lassen, als uns in die richtige Richtung zu treten.

Je bereitwilliger wir uns der Veränderung hingeben, desto weniger erleben wir Schmerz und Kampf, auch wenn das Endergebnis einer schweren Krankheit der Tod ist. Letzten Endes ist auch der Tod eine Neuausrichtung mit unserem höchsten Gut, wenn das "Leben" zu einem Zustand geworden ist, aus dem wir ausgewachsen sind.

 

Krankheit als Metapher
Selbst wenn wir uns nicht als krank bezeichnen, haben wir vielleicht ein Symptom oder zwei: chronische Allergien, eine Tendenz zu Kopfschmerzen, Schmerzen oder Schwächen in einem bestimmten Körperteil oder eine Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten. Egal ob es sich um die Auseinandersetzung mit einer schweren Erkrankung oder einfach nur um das gelegentliche kleine Symptom handelt, wenn wir auf diese Beschwerden hören, können bedeutsame Erkenntnisse davon abgeleitet werden, die wir durch ihre Deutlichkeit kaum glauben können.

Unsere körperlichen Symptome kommunizieren in einer Sprache mit uns, die mit offensichtlichen Metaphern gefüllt ist. Wenn wir bereit sind den Symptomen Aufmerksamkeit zu schenken, sagen sie uns sehr viel über unsere Bedürfnisse, unsere Ungleichgewichte und unseren Weg zur Heilung aus. Die Metaphern die wir beim Sprechen verwenden, spiegeln oft die körperlichen Symptome wieder, die unser Körper manifestiert. Eine Frau mit schmerzhaften Krampfadern in ihrem Bein verwendete häufig den Ausdruck: "Ich kann es nicht ausstehen!" Jemand mit Nahrungsmittelallergien sagte immerfort: "Ich kann es nicht ertragen!" Eine Frau mit Akne sprach von Dingen, die ihr unter die Haut gehen.

Um die Sprache Deiner eigenen körperlichen Symptome zu verstehen, betrachte die metaphorischen Bedeutungen der betroffenen Körperteile und deren Funktion. Zum Beispiel stehen Hände für die Handhabung von Dinge. Wenn Du Schmerzen in den Händen hast, frage Dich: Hältst Du etwas in irgendeiner Weise zu fest? Versuchst Du, alles selbst zu "handeln"? Hast Du Schwierigkeiten, nach Liebe oder mehr Unterstützung zu "greifen“? Hast Du Schwierigkeiten, etwas zu "fassen"? Wenn Dir Nacken und Schultern weh tun, trägst Du zu viel Last auf deinen Schultern? Bist Du steif, oder übermäßig starr, wenn es um neue Dinge geht? Wenn Du eine Frau mit Tumoren oder Schmerzen in Deinen Brüsten bist, hast Du anderen so sehr gedient bis alles aus Dir rausgesaugt wurde? Oder willst Du andere nicht mehr bemuttern? Wenn Du Herzprobleme hast, hast du das Gefühl untröstlich zu sein? Hast Du Dein Herz vor Wärme und Liebe geschlossen, weil es gebrochen wurde? Liebst Du Dich selbst überhaupt? Oder hast Du die Freude und Leidenschaft für das Leben verloren? Siehe welche Metaphern am besten zu Deinem Symptom passen, Du wirst es fühlen.

Ein Arzt hat mal geschrieben, er hatte eine Frau als Patientin die nicht erkennen konnte wie es einen Zusammenhang zwischen der Rückenverletzung die sie bei einem Autounfall bekam (das war nicht ihre Schuld) und ihren emotionalen Bedürfnissen gab. Bis er sie fragte, wie einfach oder schwierig es für sie war, anderen zu gestatten, sie zu unterstützen bzw. andere um Hilfe zu bitten. (Unsere Wirbelsäule steht für "Unterstützung.") Sie gab zu, dass es immer sehr schwierig für sie gewesen war um nach Unterstützung zu fragen. Infolge der Verletzung jedoch änderte sich ihr Leben denn sie hatte einer regelmäßigen Routine von verschiedenen Therapien mit sehr sorgsamen Fachleuten, deren Tagesplan daraus bestand, sie zu (unter)stützen. Jetzt ist sie gesund und tut sich nicht mehr schwer, andere um Unterstützung zu bitten. Sie ist heute froh über diese Erfahrung.

Das Lösen solcher Metapher kann die Heilung stark unterstützen und manchmal sogar die Notwendigkeit einer anderen Behandlung verringern. Zum Beispiel entwickeln viele während einer harten Zeit des Lebens, welcher auch schmerzlich belastet sein kann, Schulterschmerzen, ("Schulter" mehr als ich tragen kann) die z.B. zu einer schmerzhaften "gefrorenen Schulter" ausufern kann. Dafür bekommt man mehrere Monate Physiotherapie verschrieben. Der Betroffene könnte aber auch alles aus seinem (vermutlich) übervollen Terminkalender streichen und der Entspannung höchste Priorität zuschreiben. Da fühlt er sich gleich weniger gestresst und seine Schulter heilt so schnell, dass gar keine Therapie mehr nötig ist. Das eigentliche Ziel hier, ist es, sich nicht soviel auflasten zu lassen.

Frage Dich, wie diese körperliche Bedingung Dir dient. Zum Beispiel haben immer wiederkehrende Kopfschmerzen eine ganze Reihe von psychischen Ursachen. Unter anderem verlangsamen sie Gedanken, wenn man sich denkt: "Ich fühle mich als würde mein Kopf explodieren." Wenn der Kopf voller Schmerzen ist, ist er nicht voller Gedanken. Also sieh es mal vom anderen Blickwinkel. Frage Dich, wie Dir Dein körperliches Symptom helfen kann. Wozu zwingt es dich? Wovon hält es dich ab? Stelle Dir Fragen! Zwingt es Dich, anderen zu helfen? Will es, dass Du Deine Zeit anders verbringst? Wenn ja, was könnte der Gewinn darin sein? Bekommst Du mehr Aufmerksamkeit (positiv oder negativ), die Du sonst nicht bekommst? Wenn ja, wie gibt Dir diese Aufmerksamkeit das was Du brauchst und erwartest? (Manchmal zeigt das Krankwerden eine alte Gewohnheit aus der Kindheit auf) Wenn Du als Kind krank wurdest, hast du dann viel Liebe und Aufmerksamkeit bekommen? Meistens nehmen wir diese „Identitäten“ unbewusst an und führen sie im Erwachsenen Dasein weiter aus.


Wenn Du eine solche Identität angenommen hast, frage Dich, was könntest Du verlieren, was Du damals nicht verlieren wolltest? War es Dir vielleicht nicht erlaubt zu jammern? Schützt es Dich vor dem Versagen, indem die Krankheit Dich daran hindert, etwas Neues zu beginnen oder einen wichtigen Termin zu verpassen? Lenkt sie Dich ab und hält Deine Aufmerksamkeit weg von Dingen, die schmerzhaft sind? Sind Deine körperlichen Schmerzen an der gleichen Stelle wie Deine emotionalen Schmerzen? Ist Deine Krankheit einer Art die Dich implodieren lässt, anstatt zu explodieren? Gibt sie Dir die Erlaubnis "Nein" zu sagen, Grenzen zu setzen, wütend zu werden, egoistisch oder traurig zu sein? Wie stehen Deine Symptome in Zusammenhang mit anderen Menschen oder Beziehungen? Haben sie sich dadurch vertieft? Oder schafft sie Dir "Raum": weniger Beziehungen, mehr Privatsphäre oder mehr Zeit allein? Schützt Dich diese Bedingung vor Intimität bzw. der Nähe zu Menschen? “Bleib mir fern, sonst steck ich dich an!“

Was würdest Du tun müssen, um diese Gewinne (Privatsphäre, Aufmerksamkeit, etc....) zu bekommen, ohne dass Dein Körper Dich dazu zwingt? Die wahre Antwort auf diese Frage beinhaltet ein Hinaustreten aus der Komfort-Zone. Halte Dir diese Frage im Hinterkopf und forsche nach der Antwort, denn dort liegt die Heilung. Es könnte dann passieren, wenn Du Dir einen Tag frei nimmst ohne krank zu sein, Wege finden wirst, wie Du um Liebe, Aufmerksamkeit, Unterstützung (oder was du gerade möchtest) bittest, ohne es zuerst „brauchen“ zu müssen. Dort wo du merkst dass du gerne lügen würdest, da musst du ansetzen.

Wenn wir tief genug in die Ursachen unserer Krankheiten hineinschauen, können wir wahrscheinlich Wege aufzudecken die unseren Lebensstil bedeutend ändern. Während dies uns zu schwierigen Entscheidungen führen kann, sind die Endergebnisse weitreicher als einfach nur Tabletten zu schlucken und abzuwarten bis sich die Symptome soweit verschlimmern dass wir nicht mehr wegsehen können. Überlege Dir, welche Dinge würdest du dich trauen zu tun, für die normalerweise Deine Symptome als Ausrede herhalten? Traust Du Dich nächstes Mal Nein zu sagen einfach weil Du nicht willst? Traust Du Dich der besten Freundin zu sagen dass Du sie jetzt brauchst weil Du Dich einsam fühlst?

Ich meine damit nicht, jemanden zu ermutigen, auf vernünftige medizinische Aufsicht zu verzichten oder unnötigerweise ohne Medikamente zu weiter zu leiden. Ich denke aber dass wir uns nicht nur auf die Medizin verlassen sollten um Heilung zu bewirken. Das Hören auf unsere Symptome und die Suche nach der Ursache ist sicherlich nicht der einfachste Weg oder in kurzer Zeit umsetzbar, aber sie hält die reichsten Belohnungen für Dich bereit, und zwar auf lange Sicht.

 


Präventives Gesundheitswesen
Manchmal frage ich die Leute was sie tun würden, wenn ihr chronischer Gesundheitszustand zu einer lebensbedrohlichen Krankheit werden würde. Ohne viel darüber nachzudenken kommen viele sofort mit einer ganzen Liste von Veränderungen im Leben, wie zum Beispiel das Verlassen einer Beziehung die nicht funktioniert oder einen Job den sie nicht mögen, sich endlich Zeit für die eigenen Projekte nehmen, oder mehr das tun was man auch wirklich will, oder mehr Zeit mit der Familie verbringen. Diese Leute beschreiben alle Dinge die sie schon lange tun wollen, aber sich nie dazu in der Lage fühlten.

Muss man sich erst den Rücken kaputt schuften bis man sich beruflich neu orientiert? Muss man erst Asthma bekommen um unterdrückte Angst und Emotionen raus zu lassen? Muss man erst chronische Blasenprobleme bekommen um zu erkennen dass man Angst vor dem Loslassen hat? Was würdest Du tun, wenn Du mit einer lebensbedrohlichen Krankheit diagnostiziert wirst?

Wenn es für Dich wichtige Dinge gibt, die Du wahnsinnig gern tun würdest, aber nur dann wenn Du sterbenskrank wärst, und diese Dinge im jetzigen „gesunden“ Zustand nicht tun kannst, dann könnte es sein dass Du Dir unbewusst die Bühne für eine Gesundheitskrise schaffst. Nämlich um Deinem Leben das zu geben was Du Dir sehnlichst wünschst. Je größer die Lücke ist zwischen dem Leben, das wir derzeit leben, und dem Leben, das wir uns schaffen würden wenn wir wüssten dass wir ernsthaft krank sind, desto mehr brauchen wir Krankheit, um uns beim wachsen zu helfen. Du kannst präventive Gesundheitsversorgung schon jetzt betreiben indem Du Deine Wünsche mehr in Dein Leben implementierst, anstatt zu warten bis die Krankheit Dich dazu zwingt. Wenn Dein Plan schwierige Entscheidungen erfordert, frage Dich, ob Du es tun würdest wenn Dein Leben davon abhinge? Handle immer, als würde Dein Leben davon abhängen.

Wenn Du derzeit mit einer lebensbedrohlichen Krankheit lebst, ersetze die Fragen: "Wie kann ich gesund werden?" mit den Fragen "Warum will ich gesund werden? Wofür will ich leben? Fühle ich mich vollkommen mit meinem Leben wie es jetzt ist? Wenn nicht, was bleibt mir noch zu tun?"

Wahre Heilung geschieht, wenn wir unsere Leidenschaft und unseren Lebenszweck umarmen, und nicht durch unsere Schlacht mit Krankheit und der Angst vor dem Tod. Heilung geschieht wenn wir leben, als wäre jeder Tag unser letzter und wir alles vollenden was unvollendet ist und das Beste aus jedem Augenblick machen. Wenn wir die Heilung auf diese Weise verfolgen, wird das Ergebnis der Krankheit weniger wichtig. Wir können feststellen, dass unser Heilungsprozess auf wundersame Weise beschleunigt wird oder dass unsere Symptome gleichbleiben, aber unsere Freude am Leben nicht mehr hemmen. Wir können feststellen, dass unsere Krankheit fortschreitet, doch erleben wir ein tiefes Gefühl des Friedens weil wir alles getan haben was wir tun wollten.

Danke für die Inspiration aus Lise Bourbeaus Buch "Dein Körper sagt, Liebe Dich!"

 

 


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