Die dunkle Nacht der Seele.

 

Ich habe gesehen, dass jede Depression und jeder negative Gedanke von mir selbst erschaffen wurde. Ich habe erkannt, dass alles was mich ausmachte, eine große Lüge war. Eine Fiktion vom Geiste erschaffen. Diese Erkenntnis ließ mich gelähmt zurück, während meine Seele frei fallend, durch eine schwarze Leere des Nichts, in eine düstere, schreckliche Nacht; in eine dunkle Nacht der Seele gefallen ist.
In dieser dunklen Nacht habe ich begriffen dass ich nie blind war, und doch konnte ich nicht sehen. Ich dachte ich hatte alles verstanden, und doch wusste ich nichts. Ich dachte ich hatte alles im Griff, und doch hatte ich niemals die Kontrolle gehabt.
In dieser dunklen Nacht, wurden alle Stücke meines "Ichs“ rücksichtslos und brutal ins Nichts gerissen, so dass ich nackt in der Leere schwebend, jene Wirklichkeit anblicken musste die ich nie sehen wollte. Und je mehr ich mich dagegen wehrte, umso mehr schmerzte es.
Ich kämpfte dagegen an, weil ich nicht bereit war. Weil ich nicht wusste was mich in meiner eigenen Dunkelheit erwarten würde. Ich hatte Angst nicht mehr heraus zu kommen. Ich war noch nicht bereit loszulassen von mir Selbst.
Also blieb ich in dieser dunklen Nacht gefangen und kroch durch meine Tage, während ich meine Füße durch den giftigen schwarzen Teer meiner toxischen Gedanken zog und mein aufgezwungenes Lächeln das einzige Lebendige an mir war. Ich schrie mich innerlich durch die Nächte, die von Alpträumen des Todes und Sterbens geprägt waren. Ich träumte wie ich von Klippen fiel, von Bergen zermalmt und von dunklen Gestalten lebendig begraben wurde.
Ich wurde in Stücke gerissen, jede Nacht.
Mein "Ich" starb eintausend Mal, doch am nächsten Morgen wachte es wieder mit mir auf.
Irgendwann verschwand meine Kraft. Ich konnte nicht mehr dagegen ankämpfen. Ich wollte nicht mehr. Ich gab auf. Völlig kraftlos blieb mir nichts anderes übrig als mich der Dunkelheit hinzugeben. Ich empfand kein Glück. Alle meine Überzeugungen, Ideen und Träume waren weg. Ich verlor alles. Ich war leer.
Liebe, Freude und Lachen wurden zu unerreichbaren Phantasien, während ich in dieser dunklen Nacht machtlos in der Leere des Nichts schwebte. Ich war Nichts. Und ich wollte zurück. Ich wollte mein altes „Ich“ zurück. Jenes „Ich“ dass nichts wusste und dachte es wisse alles. Jenes Ich mit dem aufgesetzten Grinsen das niemals die Augen erreichte.
Und so windete ich mich schluchzend auf meinem verschwitzten Bett, ein Sklave der nicht endenden Gedanken in meinem Kopf; ein Sklave der zügellosen Gefühle in meinem Herzen. Ich sah den Wahnsinn, aber konnte ihn nicht aufhalten. Ich sah zu, wie mein letzter Funke Freude im dunklen Nichts verschwand.
Die Stimme redete mir ein, dass sie zu mir gehört. Sie sagte mir dass ich aus der Dunkelheit herauskommen soll. Dass ich kämpfen soll. Sie sagte mir dass ich ein Schwächling bin und untergehen werde wenn ich nicht weiterkämpfe. Sie sagte mir ich sei unwürdig, ungeliebt, ein Misserfolg...Sie sagte mir dass ich Nichts wäre ohne sie.
Ich wollte zurück zu diesem "Ich", das ich erschaffen habe. Doch ich hatte keine Kraft mehr. Ich wollte nur noch sterben. Erfüllt von Resignation und Schmerz - gab ich schließlich auf.
Und dann, tief aus meinem Inneren, flüsterte ein Funke göttlicher Weisheit leise in mein Herz und sagte: „Indem du dieses "Ich" bekämpfst, erhältst du es am Leben. Lass es zu, um es loszulassen.“
Ich war erschöpft von meinem Ich, erschöpft von seinem Wahnsinn. Und so schwebe ich.
Zurück konnte ich nicht mehr. Dagegen ankämpfen wollte ich nicht mehr. Also fiel ich auf die Knie und öffnete meine Arme. Ich lud die Dunkelheit ein in mein Herz, während ich mich gleichgültig in die schwarze Leere sinken ließ. Ich erlaubte der dunklen Nacht mich lebendig zu verschlingen und durch jeden Zentimeter meiner müden Seele zu dringen. Ich erlaube jeden Gedanken, jeden Schmerz, jede Angst alles in mir aufzuweichen.
Ich öffne mich so ergebend, dass jeder Funke meines "Ichs“ in der Dunkelheit ausgelöscht wurde. Ich sah zu wie mich diese Dunkelheit vereinnahmte, und mich reinigte, von mir Selbst, bis ich Stück für Stück Eins mit ihr wurde.
Und dann erkannte ich etwas. Ich erkannte die Stille. Ein Frieden in der Dunkelheit. Ich erkannte die Objektlosigkeit meiner Gefühle. Und ich erkannte, dass es einen Beobachter gab, der all dies erkennt.
Ich starrte und fiel noch tiefer in eine Dunkelheit innerhalb der Dunkelheit, und erkannte eine weitere beobachtende Instanz. Doch sie war kein Ich. Sie war eine endlose Weite; eine unbeschreibliche Leere. Ich fühlte wie sie sich mit mir verbunden hatte schon vor langer Zeit, und dass sie immer schon da war.
Und dann, als ich die dunkle Nacht geworden bin, und die dunkle Nacht alles wurde, was ich bin, öffnete ich die Augen in der Dunkelheit - und konnte endlich sehen. Ich erkannte dass sie immer schon hier war unter meinem "Ich" versteckt. Ich wusste ich bin sie und sie ist ich. Ich habe erkannt dass diese dunkle Nacht, die Liebe ist. Sogar mein Falsches "Ich" ist Teil dieser Liebe. Und ich bin alles davon, und gleichzeitig nichts davon.
In jener dunklen Nacht habe ich akzeptiert. Es war nur mein Glaube an meine selbst-erschaffene Illusion die mir Leid brachte. Und nun, jenseits dieser Illusion, entfaltet sich in jedem Augenblick meines Lebens, bedingungslose Akzeptanz.
Und wenn man die Ganzheit eines jeden Augenblicks umarmt, dann funkeln deine Augen vor Staunen wenn ein neuer Tag anbricht, und die Sonne dich mit ihrer glänzenden Vollkommenheit blendet.
~Angela

Art. Design. Tao.

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